Posts by h773

    Ein Lebenszeichen: Warum Text (manchmal) besser ist als Video

    Hallo zusammen,

    nach einer krankheitsbedingten Pause und dem anschließenden Urlaub über Weihnachten und Neujahr melde ich mich hier endlich mal wieder zurück. In der letzten Zeit blieb leider wenig Raum für das Forum oder YouTube – aber jetzt gibt es wieder ein Lebenszeichen von mir.

    Ich weiß, dass ausführliche Texte in der heutigen Social-Media-Welt einen schweren Stand haben. Der durchschnittliche Konsument verliert oft schon nach einem 30-sekündigen Video die Konzentration, und längere Artikel gelten fast schon als „oldschool“. Doch für die Themen, die wir hier besprechen, ist das Format entscheidend.

    Ich habe mich bewusst dagegen entschieden, komplizierte und fachspezifische Inhalte in aufwendigen Videos zu verarbeiten. Der Grund ist simpel: In unserer Branche ändern sich Details ständig. Ein Video müsste ich unter Umständen alle zwei Jahre komplett neu drehen, um aktuell zu bleiben. Ein fundierter Text hingegen lässt sich präzise anpassen und bietet die Tiefe, die diese Themen einfach erfordern.

    Wenn mir etwas Spannendes einfällt oder es Neuigkeiten gibt, werde ich das also auch weiterhin genau hier posten. Für alle, die lieber lesen als nur schnell zu scrollen, bleibt dieses Forum der Ort für echte Inhalte.

    Bis bald am Fels oder hier im Thread!

    Immer wieder taucht die Frage nach der besten Methode auf, nach der Lehrmeinung ...

    Quote

    "Liebe Kletterfreund:innen, bei unseren Gruppen wird z. Z. sehr intensiv über die bessere Sicherungsmethode bei MSL diskutiert: besser mit Fixpunktsicherung oder besser mit Körpersicherung. Natürlich haben beide Methoden Vor- und Nachteile. Ich habe den Eindruck, dass es eine Entwicklung gibt, weg von der klassischen Fixpunktsicherung hin zur Körpersicherung. Das geht teilweise so weit, dass Fixpunktsicherung als oldschool eingestuft wird. Meine Frage an unsere Gruppe ist, wie ihr in MSL sichert bzw. welche Sicherungsmethode ihr einsetzt. Im Voraus schon vielen Dank für eure Reaktionen."

    Dabei gibt es so viele Faktoren, die da eine Rolle spielen und auch die Art der Sicherung beeinflussen, sodass ich da ungern eine Pauschale als Goldstandard angebe; aber wenn ich mich auf eine Methode festlegen müsste, wäre es die Fixpunktsicherung.

    Körpersicherung: besseres Handling

    Heute finden viele den Zugang zu Mehrseillängenrouten über das Sportklettern. Kein Wunder, dass die beim Sportklettern übliche Körpersicherung nun auch bei Mehrseillängenrouten immer beliebter wird. Sie hat auch gewisse Vorteile, vor allem durch das bessere Seilhandling: Das Sicherungsgerät sitzt stets in der gewohnten Position vor dem Körper, was ein maximal schnelles und präzises Einziehen und Ausgeben des Seiles ermöglicht. Dies kann die potenzielle Sturzhöhe verringern, da mit weniger Schlappseil gesichert werden kann. „Weiches“ Sichern, also aktives Verlängern des Bremswegs, um Fangstoß und Anprall an der Wand zu reduzieren, kann mit den gewohnten Bewegungsmustern aus dem Sportklettern umgesetzt werden. Sobald man im Stand hängt, entfällt allerdings die Option der „Körperdynamik“ durch Mitgehen oder Abspringen: Aus dem Hängen heraus ist das quasi unmöglich. Wie Versuche zeigten, ist „weiches Sichern“ am Hängestand nur „gerätedynamisch“ möglich: indem man beim Sichern mit dem Sturzzug die Bremshand zum Gerät führt und so Bremsseil in das Gerät gibt. Dieses gezielte Bremsseil-Eingeben fordert allerdings sehr viel Erfahrung und Mitdenken.

    Der Standard war aber, und nach wie vor hat es seine Berechtigung, das Fixpunktsichern.

    Diverse Versuche hat die ENSA zu dem Thema bei YouTube veröffentlicht.


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    Sichern ist bereits im Sportklettern keine triviale Tätigkeit, und was dort ggf. gut funktioniert, muss nicht auch in jeder Mehrseillänge praktikabel sein. Daher kann ich nur, wie so oft, raten:


    Man sollte diverse Methoden in seinem Repertoire haben, um den unterschiedlichen Anforderungen gerecht werden zu können.


    Fixpunktsicherung mit HMS ist alleine schon wichtig zu beherrschen, falls das Lieblingsgerät doch auch mal herunterfällt.

    Da in einem "Fachmagazin" neulich latent die Angst vor der Seilwäsche geschürt wurde, weil die ach so heilige Avivage ausgewaschen werden könnte, hier ein deep dive in was ist Avivage am Kletterseil und wie esistent ist sie beim Waschen:


    Die chemische Zusammensetzung einer Spinnpräparation (Avivage) für hochfeste Polyamid-Garne ist komplex, da sie gegensätzliche Anforderungen erfüllen muss: Sie muss bei extremen Geschwindigkeiten (bis zu 300 km/h im Spinnprozess) schmieren, darf aber nicht verrauchen, muss haften, aber darf nicht verkleben.

    Es handelt sich fast immer um eine Emulsion (Öl-in-Wasser), bei der das Wasser nach dem Auftragen verdampft und der reine Wirkstofffilm zurückbleibt.

    Hier sind die chemischen Stoffklassen und konkreten Bezeichnungen, die typischerweise in der Industrie (z.B. für PA6 und PA6.6 High Tenacity Garne) zum Einsatz kommen:

    1. Gleitmittel (Lubricants) – Der Hauptbestandteil (ca. 50-70%)

    Diese Substanzen sorgen für die innere Schmierung des Seils und die Reduktion der Reibung Metall-Faser während der Produktion.

    • Esteröle (Die wichtigste Gruppe für hochwertige Seile):
      • Chemische Bezeichnung: Fettsäureester oder Polyolester.
      • Konkret: Trimethylolpropantrilaurat (TMP-Ester) oder Butylstearat.
      • Warum: Diese Ester sind thermisch sehr stabil (wichtig, weil das Seil im Gebrauch durch Reibung heiß werden kann) und bieten eine exzellente Schmierwirkung, ohne zu verharzen.
    • Polyalkylenglykole (PAGs):
      • Chemische Bezeichnung: Ethylenoxid/Propylenoxid-Copolymere (EO/PO-Copolymere).
      • Funktion: Synthetische Öle, die sich sehr gut mit Wasser abwaschen lassen würden (wenn man wollte), aber oft chemisch so modifiziert sind, dass sie am Polyamid haften.
    • Mineralöle:
      • Werden bei absoluten High-End-Kletterseilen seltener als Hauptkomponente verwendet, da Esteröle leistungsfähiger sind, finden sich aber in günstigeren Mischungen.

    2. Antistatika (Antistatic Agents) – (ca. 10-20%)

    Polyamid ist ein Isolator und lädt sich extrem auf. Diese Moleküle machen die Oberfläche leitfähig, um Spannungsüberschläge bei der Produktion zu verhindern.

    • Phosphorsäureester:
      • Chemische Bezeichnung: Alkylphosphate (z.B. Kalium-Alkylphosphat).
      • Funktion: Sehr effektive, oft anionische Antistatika.
    • Quartäre Ammoniumverbindungen:
      • Chemische Bezeichnung: Alkyl-Quats (z.B. Dialkyl-dimethyl-ammoniumchlorid, wobei "Alkyl" hier für lange Fettketten steht).
      • Funktion: Kationische Tenside. Da Polyamid oft leicht negativ geladen ist, haften diese positiv geladenen "Quats" extrem gut an der Faser (Substantivität) und lassen sich nicht einfach auswaschen. Das ist ein Grund, warum die Avivage dauerhaft bleibt.

    3. Emulgatoren (Emulsifiers) – (ca. 10-20%)

    Damit sich die öligen Gleitmittel überhaupt gleichmäßig im Wasserbad verteilen und aufsprühen lassen.

    • Ethoxylierte Fettalkohole:
      • Chemische Bezeichnung: Fettalkoholethoxylate (z.B. Oleylalkoholethoxylat).
      • Funktion: Nichtionische Tenside, die Öl und Wasser verbinden.
    • Ethoxyliertes Rizinusöl (Castor Oil Ethoxylates):
      • Ein Klassiker in der Faserindustrie, biologisch abbaubar und sehr leistungsfähig.

    4. Haftvermittler / Additive (optional)

    Um die Beständigkeit des Films zu erhöhen.

    • Oxidierte Polyethylene (Oxidized PE):
      • Sorgen für einen gewissen "Griff" und verhindern, dass das Garn zu glatt wird, was beim Flechten zum Verrutschen des Mantels führen würde.

    Wenn du ein Kletterseil in der Hand hältst, ist die "Chemie", die du fühlst (oder eben nicht fühlst, weil sie so gut integriert ist), meist eine Mischung aus einem hochwertigen Polyolester (als Schmierstoff) und einem Alkylphosphat oder Quartären Ammoniumsalz (als Antistatikum).

    Der entscheidende Punkt für die "Nicht-Auswaschbarkeit":

    Die kationischen Antistatika und die polaren Estergruppen gehen physikalische Wechselwirkungen (Wasserstoffbrückenbindungen, Dipol-Wechselwirkungen) mit den Amid-Gruppen (-CO-NH-) des Polyamids ein.

    Das ist keine echte chemische Bindung (kovalent), aber stark genug, um einem normalen Waschgang in der Waschmaschine zu widerstehen, zumal Wasser allein die unpolaren Fettketten der Esteröle nicht lösen kann.

    Gehen wir mal etwas in die Chemie des Waschens:


    Wenn wir das Marketing-Geschwafel ("Magic Potion") beiseiteschieben und uns die Sicherheitsdatenblätter (MSDS) und die organische Chemie ansehen, wird der Unterschied zwischen einem guten Feinwaschmittel und einem "Spezial-Seilwaschmittel" schnell sehr klein – aber er existiert im Detail der Formulierung.

    Hier ist die Analyse für dich:

    1. Die Tensid-Matrix (Das "Arbeitspferd")

    • Fein-/Colorwaschmittel: Setzen meist auf einen Mix aus anionischen (z.B. Alkylbenzolsulfonate) und nichtionischen Tensiden (z.B. Fettalkoholethoxylate). Diese sind extrem leistungsstark in der Herabsetzung der Oberflächenspannung und Schmutzdispergierung (v.a. Fett/Öl).
    • Spezial-Seilwaschmittel (z.B. Beal Rope Cleaner): Schaut man ins Datenblatt, findet man oft überraschend simple Dinge: Kaliseife (Potassium salts of fatty acids) oder sehr milde Zuckertenside (Alkylpolyglucoside).
      • Der Unterschied: Die Spezialmittel sind oft weniger stark entfettend. Sie reinigen "schlechter" (im Sinne von Fettlösekraft), was für das Seil aber "besser" ist, da es die industrielle Schmierung (Spin-Finish/Avivage) weniger aggressiv auswäscht als die hochgezüchteten Tenside eines Haushaltswaschmittels.

    2. Die Additive (Der eigentliche "Feind")

    Hier trennt sich die Spreu vom Weizen.

    • Enzyme:
      • Feinwaschmittel: Enthalten oft Proteasen (Eiweiß), Amylasen (Stärke) und Cellulasen (Anti-Pilling).
      • Spezialmittel: Sind meist enzymfrei.
      • Chemie-Check: Polyamid (PA) ist chemisch ein Polypeptid-Analogon (Säureamid-Bindung -CO-NH-). Theoretisch könnte man Angst haben, dass Proteasen das PA angreifen. Praktisch ist das sterisch bei PA 6 oder PA 6.6 für haushaltsübliche Enzyme kaum möglich. Das Risiko ist also eher theoretisch, aber Spezialmittel schließen es durch Abwesenheit komplett aus ("Nullrisiko-Strategie").
    • Optische Aufheller (Stilbene): In Vollwaschmitteln Standard, in Feinwaschmitteln selten, in Spezialmitteln verboten. Sie lagern sich auf der Faser ab (Kontamination).
    • Duftstoffe/Komplexbildner: Spezialmittel verzichten oft auf starke Parfümöle (potenzielle Weichmacher für Kunststoffe) und aggressive Enthärter.

    3. pH-Wert und Pufferung

    • Polyamid ist empfindlich gegen Säuren (Hydrolyse der Amidbindung), aber recht stabil gegen Laugen.
    • Normale Waschmittel puffern oft alkalisch (pH 8-10).
    • Seifenbasierte Spezialmittel sind durch die Seife ebenfalls leicht alkalisch (pH 9-10).
    • Fazit: Hier gibt es kaum einen Vorteil für das Spezialmittel, beide liegen im grünen Bereich für PA.

    Warum deine "Colorwaschmittel-Methode" chemisch clever ist:

    Du hast instinktiv das Richtige gewählt. Flüssiges Colorwaschmittel ist für dich als CTA die "Goldlöckchen-Lösung":

    1. Keine Bleiche: Keine oxidativen Schäden (wie bei Pulver/Vollwaschmittel).
    2. Keine Zeolithe: Keine unlöslichen anorganischen Feststoffe (Ionentauscher im Pulver), die sich mechanisch in den Kern einarbeiten könnten.
    3. Tenside: Modern und gut auswaschbar.
    4. Kein Lanolin: Im Gegensatz zum Wollwaschmittel schmierst du das Seil nicht mit Fett zu.

    Das Fazit (Preis vs. Leistung)

    Das "Spezial-Seilwaschmittel" ist im Grunde eine milde Kaliseife ohne Zusatzstoffe, verkauft für 30 €/Liter.

    Du bezahlst nicht für einen "magischen Inhaltsstoff", sondern für die Garantie des Weglassens. Du zahlst dafür, dass nichts drin ist, was schadet (keine Enzyme, keine Aufheller, kein Lanolin). Als Chemiker kannst du dir das sparen, weil du weißt, dass dein Colorwaschmittel diese "bösen" Stoffe auch nicht (oder in vernachlässigbarer Form) enthält. Deine 6-8 Jahre Nutzungsdauer sind der empirische Beweis für deine korrekte chemische Einschätzung.

    Deswegen verwende ich parfümfreies sensitiv Colorwaschmittel von DM, und wasche seit Jahren meine Seile damit und bin auch nach 5 mal Waschen mit einem Seil immer noch hochzufrieden mit dem handling und der Haptik.

    etwas Seilschonender wäre noch z.B.
    ALMAWIN Klar - Waschmittel Color 750ml Colorwaschmittel

    https://www.idealo.de/preisvergleich/OffersOfProduct/201898334_-sensitive-color-waschmittel-750-ml-klar-ecosensitve.html?gclid=Cj0KCQiA9OnJBhD-ARIsAPV51xMnTEn9LvnzzOajruCE31mhh8fvqwjkyrJmDAlWzpUZpBTDJ94D7-8aAottEALw_wcB&utm_campaign=SEM-DE-WEB-CVR-SHOPPING-22718333704&utm_medium=cpc&utm_source=google

    https://www.bergundsteigen.com…id=TKQdQPqVbsdWgzL7596EuQ

    Da wurde jemand zum Thema Seilwaschen befragt, der leider nur nachplappert was im Internet an falschen Aussagen kursiert !

    Selten so einen schlechten Artikel gelesen, wie diesen.

    Quote

    Eine Waschmaschinenwäsche empfehlen wir aufgrund der Rückstände von Waschmitteln und sonstigen Reinigern wie z. B. Weichspülern grundsätzlich nicht. Die Garne von Seilen sind ab Werk mit einer sog. Avivage ausgerüstet, um die Haptik eines Seiles angenehmer zu machen. Bei jeder Wäsche werden Teile der Avivage ausgewaschen und die Garne werden stumpf.

    Und ohne Wäsche verschleißen Seile schneller, oft genug bewiesen, siehe nächster Beitrag.
    Und natürlich das Märchen der bösen Rückstände in der Waschmaschine, spannend.



    Normales Waschmittel ist böse wegen der Tenside.... Mannomann, da hat einer absolut keine Ahnung von Chemie. Warum darf der so einen Artikel schreiben ?
    Tenside sind nicht das Problem. Bleiche in Vollwaschmittel , Chlor, Zeolithe sind das Problem.

    Aber ihr könnt ja mit "klarem Wasser" das Seil einfach nur Nass machen, sauber wird dann nichts.




    Aber dann dürft ihr angeblich WOLLWASCHMITTEL nehmen, was rückfettendes Lanolin ans Seil abgibt !
    Wer will kein Wollwachs an seinem Polyamid Seil haben ?! :autsch:

    Ich habe den eindruck der Artikel dient hauptsächlich der Werbung für im Artikel natürlich verlinkte Produkte !  :frosch:


    Hier geht´s zu meinem Artikel zum Thema Seilwaschen, garantiert korrekter als der von BuS. :stichel:

    Seile Waschen

    Habe am 22.11.25 nun endlich mal Zeit gefunden das ZAED mini kurz auszuprobieren.

    Auf Stufe 1 ist die Bremswirkung mit neuem 9,6mm Seil immer noch sehr gering.
    Auf Stufe 2 ( wie das Vorgängermodell ) OK

    Ich rede hier u.a. über das ZAED mini

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    Und hier ein Teil des Tests.

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    So, mein erster Eindruck zum Zaed mini, wobei wir mit Halbautomaten getestet haben, und das ist nicht sehr feinfühlig.

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    Der Test

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    Die allgemeine Klassifizierung der UV-Beständigkeit kann irreführend sein, wenn man sie nicht im Kontext des spezifischen Schadensmechanismus und der Anwendung (Kletterschlingen, die der Witterung ausgesetzt sind) betrachtet.

    Der scheinbare Widerspruch erklärt sich durch den unterschiedlichen Mechanismus der UV-Schädigung in den beiden Materialien:

    1. Polyamid (PA) – Sichtbare Alterung

    • UV-Beständigkeit (Allgemein): Mittelmäßig/Empfindlich.
    • Schadensmechanismus: UV-Strahlen dringen bei Polyamid (Nylon) nur sehr oberflächlich in das Material ein.
    • Folge: Die Festigkeitsreduzierung betrifft primär die äußere Schicht. Das Material beginnt, äußerlich sichtbar zu zerfallen (es wird "pelzig", splisst auf). Dies dient als optisches Warnsignal, dass die Schlinge altert, während der innere Kern noch relativ lange eine Restfestigkeit behält.

    2. Dyneema (UHMWPE) – Unsichtbare Alterung

    • UV-Beständigkeit (Allgemein): Mittel.
    • Schadensmechanismus: Dyneema (Polyethylen) absorbiert kaum UV-Strahlung, ABER die Strahlung dringt sehr tief in den Werkstoff ein (große Eindringtiefe).
    • Folge (Sicherheitsrelevant): Die Schädigung verteilt sich über den gesamten Querschnitt der Faser. Dyneema ist extrem glatt und zeigt keine sichtbaren Alterungserscheinungen (kein Aufspleißen oder Pelzigwerden), während die Bruchlast intern rapide abfällt. Die Festigkeitsreduzierung erfolgt schneller und ohne äußere Anzeichen, was sie an exponierten Standplätzen zur deutlich kritischeren Wahl macht.

    Fazit für die Praxis

    Die Tests, (z.B. jene des DAV), zeigen, dass die kurzfristige, sicherheitsrelevante Alterung von Dyneema in der Praxis schneller und tückischer ist, weil:

    1. Schnellerer Festigkeitsverlust: Obwohl die theoretische UV-Beständigkeit als "mittel" eingestuft wird, zeigen Dyneema-Schlingen nach wenigen Jahren in der Sonne (ca. 3–5 Jahre) oft einen kritischen Abfall der Bruchlast.
    2. Keine Warnsignale: Die Alterung ist unsichtbar. Polyamid-Schlingen geben durch ihre sichtbare Degradation ein deutliches Zeichen, dass sie ausgetauscht werden müssen.

    Daher die wichtige Faustregel im Bergsport: Freiliegende Dyneema-Schlingen an Standplätzen oder Sanduhren sind aufgrund der unsichtbaren und schnellen Festigkeitsabnahme kritischer zu sehen als Polyamid-Schlingen, selbst wenn beide theoretisch als UV-empfindlich gelten.

    Mantel-Kern Konstruktionen (Seile / Reepschnüre) werden durch den Mantel (meist Polyamid 6/6 oder Polyamid 6/PA) sehr gut vor UV-Strahlung geschützt. Der Mantel wirkt als Schutzschild, wodurch die empfindlichere und tragende Kernkonstruktion (ebenfalls Polyamid oder bei manchen Reepschnüren Aramid/Dyneema) größtenteils von den schädigenden Strahlen abgeschirmt wird. Daher kann man bei der UV-Alterung von Seilen und in den meisten Fällen auch von ummantelten Reepschnüren entspannter umgehen.

    Vorwort: Über die Jahre scheinen die Autoren die UV Stabilität der verschiedenen Materialien wohl einfach zu würfeln. Man beachte was in diesem Artikel steht und was in einer der Quellenangaben zu finden ist, siehe Bild aus BuS 3/12.






    Hier wurde Aramid als gut UV beständig aufgelistet ( falsch ! ) .
    Ich frage mich schon ernsthaft wie gut die Artikel in Berg und steigen sonst recherchiert sind.

    In nachfolgendem Artikel werden ja genau Aramidfasern eingeflochten um mehr Schnittfestigkeit zu generieren.:hä:

    Zum Vergleich die Tabelle der Materialien aus nachfolgendem Artikel.



    Böse Zungen behaupten ja das der Werbeaspekt in Bergsportmagazinen wichtiger sei als inhaltliche Aspekte...


    https://www.bergundsteigen.com…em_NVq_zfdgjkPbwNi4zX108g



    Und 2009 stand in der Berundsteigen:



    Bei Bandschlingen gilt aktuell die Aussage, dass PA Schlingen UV resistenter als Dyneema Schlingen wären, aber den Artikel in dem Schlingen getestet wurden finde ich spontan nicht mehr.

    Schon alles etwas suspekt was über die Jahre erzählt wurde.

    Zum Wo klippen, hier ein inzwischen älteres aber gutes Video:

    (Leider hat der Ersteller die Vorschau verboten, also klicken ! )

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    🧗 Kurz & Klar: Die Physik der Reibung – Warum ca.15% Sohle oft genügen

    Die Vorstellung, man müsse 100% der Kletterschuhsohle nutzen, ist in der Praxis der meisten Kletterdisziplinen unpraktikabel und unnötig.

    Die benötigte Fläche ist ein Kompromiss aus Physik und Klettertechnik. Hier sind die drei wichtigsten Gründe, warum die oft genutzten 15% bis 30% der Vorderfußfläche meistens ideal sind.

    1. Das Druck-Management: Die wichtigste Aufgabe der Fläche

    Der entscheidende Unterschied zwischen Schulphysik und Kletterpraxis: Reibungsgummi ist weich und hat eine geringe Belastungsgrenze.

    • Das Problem: Wenn Sie Ihr gesamtes Gewicht (Ihre Normalkraft) auf eine zu kleine Fläche konzentrieren, wird der lokale Druck extrem hoch.
    • Die Formel:
      Quote
      Druck = Kraft / Fläche
    • Die Konsequenz: Überschreitet dieser Druck die Schmiergrenze des Gummis, beginnt dieser zu versagen, schmiert ab und die Haftung ist verloren.
    • Fazit: Die Hauptaufgabe der Fläche ist es, den lokalen Druck so weit zu senken, dass der Gummi seine Haftung überhaupt entfalten kann. Man braucht nur genug Fläche, um den Druck unter diese kritische Grenze zu halten.

    2. Der Grip-Vorteil: Adhäsion durch Anpassung

    Die Fläche hat nicht nur eine Schutzfunktion, sie verbessert auch aktiv den Halt:

    • Verzahnung: Weicher Klettergummi verformt sich unter Last und fließt in die Mikro-Unebenheiten des Felses.
    • Haftung: Eine größere Kontaktfläche ermöglicht mehr Berührungspunkte auf molekularer Ebene, was die Adhäsionskräfte (die Anziehung zwischen Gummi und Fels) erhöht.
    • Ergebnis: Mehr Auflagefläche kann zu einem besseren, effektiven Grip führen.

    3. Die effiziente Fläche: Warum 15% im Vorderfuß dominieren

    Ihre Schätzung von etwa 15% der Sohle (typischerweise Zehenbox und Ballen) ist oft die effizienteste Fläche, da sie Technik und Physik optimal vereint:

    • Technik & Kontrolle: Der Vorderfuß ist der Bereich, den Sie durch Zehenspannung am besten kontrollieren und auf den Sie Ihre Kraft am präzisesten übertragen können. Die Ferse oder die Mitte der Sohle sind für das präzise Treten ungeeignet.
    • Der Kompromiss: Die 15% sind in der Regel gerade groß genug, um den Druck (Punkt 1) zu managen, ohne die Flexibilität und die Kraftübertragung zu opfern.
    • 100% sind unpraktisch: Die gesamte Sohle zu nutzen ist meist nur auf sehr großen, glatten Reibungsplatten möglich. Beim normalen Sportklettern, wo Tritte oder Makro-Reibungsstrukturen genutzt werden, ist die volle Fläche geometrisch gar nicht auflegbar oder führt zu einer ungünstigen Körperschwerpunkt-Position.

    Merksatz: Die Fläche ist nicht nur ein passiver Träger, sondern ein aktiver Faktor, der bestimmt, ob die physikalisch mögliche Reibung des Gummis durch Druckmanagement und bessere Adhäsion überhaupt genutzt werden kann.

    Die Kollegen von Climbe haben das mal im Film festzuhalten versucht.

    Was man aus Sicht der Effizienz eben auch hier hätte besser machen können, wäre das Schütteln bei jedem Zug (Schüttelgreifen), das sind zwar nur Sekundenbruchteile in denen die Durchblutung etwas länger funktioniert, aber es summiert sich und der Pump kommt ein zwei Züge später.

    Und beim Klippen zieht Sie manchmal sehr früh viel Seil hoch, das ist einfach kraftraubender, als wenn man etwas später clippt und idelerweise gar nichts hochziehen braucht.

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    Leider Schütteln sehr viele Kletterer erst wenn der Pump schon da ist, oder verzichten ganz darauf.

    Rasten und Schütteln wann immer möglich !


    ✋ Schüttelgreifen und aktive Regeneration: Der Schlüssel zur sofortigen Kraftausdauer

    Viele Kletterer begehen einen fundamentalen Fehler, der sie wertvolle Reserven und Routen kostet: Sie rasten nicht, bevor es zu spät ist, und beginnen erst dann mit dem Schüttelgreifen, wenn die Unterarme bereits "dicht" machen – ein Zeichen akuter Erschöpfung.

    Die Fähigkeit zur aktiven Regeneration und das Beherrschen des Schüttelns an Rastpositionen sowie des Schüttelgreifens sind die direktesten und schnellsten Methoden, um die Kraftausdauer (KA) in einer Route zu verbessern und die Durchstiegs-Wahrscheinlichkeit sofort zu erhöhen. Dabei geht es nicht um monatelanges Training, sondern um angewandte Taktik.

    Was beim Schütteln/Schüttelgreifen passiert (Aktive Regeneration)

    Das Ziel des Schüttelns ist die rasche Wiederherstellung der Leistungsfähigkeit in den Unterarmmuskeln, indem die Abfallprodukte der anaeroben Belastung, hauptsächlich Laktat, effektiv abtransportiert werden.

    1. Laktat-Abbau: Beim Klettern entsteht Laktat, das die Muskeln übersäuert und das Gefühl des "Zuschießens" oder "Dichtmachens" verursacht. Um die Kraftausdauer zu verbessern, muss der Körper lernen, Laktat schneller zu tolerieren und abzubauen.
    2. Blutfluss und Sauerstoff: Die beste Position zur aktiven Regeneration in einer Rastposition ist das lockere Schütteln des Arms leicht oberhalb der Herzhöhe, da dies den venösen Rückfluss optimiert. Durch leichtes Anheben wird die Schwerkraft zur Unterstützung der Venenklappen genutzt, um das laktathaltige, verbrauchte Blut schneller abzutransportieren, während sauerstoffreiches Blut zugeführt wird. Obwohl viele Kletterer den Arm gewohnheitsmäßig hängen lassen (die weniger übliche, physiologisch weniger optimale Methode), ist das Anheben über Herzhöhe effektiver.

    🧘 Die Taktik der Rastpositionen und die Anwendung des Schüttelns

    Die Kunst besteht darin, proaktiv zu rasten, nicht reaktiv, und die Technik des Schüttelns in den gesamten Bewegungsablauf zu integrieren.

    1. Rasten, bevor es weh tut (Der Proaktive Ansatz)

    Warten Sie nicht, bis die Pumpe einsetzt. Idealerweise rasten Sie in einer Position, solange Sie sich noch relativ frisch fühlen. Das Laktat-Niveau ist dann noch niedrig, und die Zeit, die für eine vollständige oder annähernd vollständige Erholung benötigt wird, ist minimal.

    2. Das richtige Halten an Rastpositionen

    Die Rastposition muss so gewählt werden, dass der Körper maximal entlastet wird:

    • Stabile Basis: Nutzen Sie große Tritte und finden Sie eine Position, in der die Beine den Großteil des Körpergewichts tragen. Das Ziel ist eine möglichst geringe statische Belastung der Arme.
    • Der "eine Arm rastet"-Modus: Sichern Sie sich mit dem Haltarm auf dem besten Griff (möglichst oberhalb des Körperschwerpunkts) und versuchen Sie, den Körper durch Eindrehen der Hüfte und Strecken der Beine so zu stabilisieren, dass der Hältarm fast gestreckt ist.

    3. Die Technik der Regeneration

    Das Ausruhen umfasst zwei unterschiedliche, aber ergänzende Methoden:

    • A. Schütteln an Rastpositionen (Lange Pause, 30+ Sekunden):
      • Ziel: Signifikante Erholung der Muskulatur und Reduktion des Laktatspiegels.
      • Ausführung: Lockeres, entspanntes Schütteln des freien Arms leicht oberhalb der Herzhöhe. Dauer: Solange, bis eine deutliche Erleichterung spürbar ist (oft 30 Sekunden oder länger). Wechseln Sie erst, wenn der Rastarm signifikant weniger ermüdet ist als der Schüttelarm vor der Pause.
    • B. Schüttelgreifen (Kurzpause, unter 1 Sekunde):
      • Ziel: Mikro-Regeneration bei jedem einzelnen Zug, Vermeidung des sofortigen "Zuschießens".
      • Ausführung: Bei jedem Zug wird der abgreifende Arm direkt nach dem Loslassen des alten Griffes und kurz vor dem Zugreifen des neuen Griffes einmal schnell und locker ausgeschüttelt. Dies ist eine reflexartige, minimale Entspannungsbewegung, die in den Bewegungsablauf integriert wird und hilft, die Dauer der Kontraktion in der Unterarmmuskulatur zu minimieren.

    💪 Sofortige Verbesserung der Kraftausdauer (KA)

    Die Beherrschung dieser Ruhetaktik führt zu einer sofortigen Steigerung der funktionalen Kraftausdauer in der Route, ohne dass Sie zuvor im Trainingsraum waren:

    1. Senkung der Ermüdung: Proaktives Rasten hält das Laktat-Niveau niedrig und verlangsamt den Eintritt der Erschöpfung drastisch.
    2. Verlängerung der Durchstiegszeit: Durch effektive Pausen kann die Zeit, die Sie in der Route verbringen können, deutlich verlängert werden, was besonders bei langen Sportkletterrouten oder Mehrseillängen entscheidend ist.
    3. Verbesserte Bewegungsqualität: Ein leicht erholter Arm erlaubt präzisere, schnellere und ökonomischere Züge, was wiederum Energie spart.
    4. Mentale Stärke: Bewusstes Rasten gibt Ihnen die mentale Kontrolle zurück. Anstatt von der Panik des "Zuschießens" getrieben zu werden, agieren Sie besonnen und geplant.

    Wer diese Taktik verinnerlicht, nutzt seine körperlichen Ressourcen optimal und kann sein Kletterniveau sofort verbessern – die Ruhe wird so zu einer der effektivsten "Techniken" im Klettersport.

    🏔️ Pit Schubert: Die Instanz für Sicherheit am Berg – Eine Analyse seiner Schlüsselwerke

    Pit Schubert, ehemaliger Leiter des Sicherheitskreises im Deutschen Alpenverein (DAV) und langjähriger Präsident der UIAA-Sicherheitskommission, gilt als die weltweit anerkannte Kapazität in Fragen alpiner Ausrüstung und Sicherheit. Seine Werke sind Pflichtlektüre für Bergsteiger, Alpinisten und Kletterer, die sich jenseits der Kletterhalle bewegen.

    Die Essenz seiner Lehren lässt sich in zwei zentralen Publikationsreihen zusammenfassen: dem handlichen Lehrbuch zur Praxis, "Alpine Seiltechnik", und seinem mehrbändigen Kompendium der Unfallforschung, "Sicherheit und Risiko in Fels und Eis".

    1. "Sicherheit und Risiko in Fels und Eis" (Mehrbändige Reihe)

    • Genre: Analytisches Kompendium, Unfallforschung und Sicherheitslehre.
    • Kern des Werkes: Dieses mehrbändige Werk ist das einzigartige Vermächtnis aus Schuberts jahrzehntelanger Arbeit im Sicherheitskreis des DAV. Es basiert auf dem Credo: Aus Unfällen lernen.
    • Inhalt und Stil: Schubert analysiert unzählige, oft tragische, aber manchmal auch skurrile Bergunfälle in Fels, Eis und auf Hochtouren. Er seziert akribisch die Unfallursachen, die von technischem Versagen über menschliches Fehlverhalten bis hin zu Fehleinschätzungen der Ausrüstung reichen.
    • Der Mehrwert:
      • Tiefes Verständnis: Das Buch vermittelt nicht nur Regeln, sondern das Warum hinter den Sicherheitsstandards. Es schult die Urteilsfähigkeit des Lesers, indem es aufzeigt, welche fatalen Konsequenzen scheinbar kleine Fehler haben können.
      • Technische Forschung: Es macht die Forschungsergebnisse des Sicherheitskreises zur Ausrüstung (Seile, Karabiner, Haken) einem breiten Publikum zugänglich.
      • Einzigartigkeit: Die Mischung aus sachlich-trockener Analyse, angereichert mit einem Hauch Galgenhumor (oft untermalt durch Karikaturen von Georg Sojer), macht das Werk trotz des ernsten Themas ungemein spannend und lehrreich.
    • Zielgruppe: Erfahrene Bergsteiger, Alpinkletterer, Ausbilder und alle, die ein tiefes technisches und psychologisches Verständnis für alpine Gefahren entwickeln wollen. Es sollte in keiner alpinen Bibliothek fehlen.

    2. "Alpine Seiltechnik: Ausrüstung – Technik – Sicherheit" (Taschenbuch)

    • Genre: Handliches Lehrbuch, Praxisleitfaden.
    • Kern des Werkes: Dieser kompakte Band ist die praktische Anleitung zur Beherrschung des "technischen Rüstzeugs" am Berg.
    • Inhalt und Struktur: Das handliche Format macht es zum idealen Begleiter für alpine Touren. Es behandelt alle grundlegenden Bereiche der alpinen Sicherungstechnik:
      • Umgang mit dem Seil: Knotenlehre, Seilhandhabung.
      • Sichern und Standplatzbau: Techniken für Fels und Eis.
      • Abseiltechnik: Diverse Verfahren und Rückzugsstrategien.
      • Spezialtechniken: Der richtige Einsatz von Eispickel, Steigeisen und Eisschrauben, sowie die wichtige Spaltenbergung.
    • Der Mehrwert:
      • Praxisorientierung: Das Buch ist darauf ausgelegt, das notwendige Wissen für selbstständige Klettereien im moderaten Schwierigkeitsgrad (bis etwa IV) und für Touren in Firn und Eis (bis ca. 50 Grad Steilheit) zu vermitteln.
      • Kompaktheit: Auf wenigen Seiten ist das essentielle Wissen für Anfänger und Fortgeschrittene gebündelt, die ihre Kletterhallen-Erfahrung auf den Fels und das Hochgebirge übertragen möchten.
    • Zielgruppe: Einsteiger in das Alpinklettern und Hochtourengehen sowie Fortgeschrittene, die ihr technisches Wissen komprimiert auffrischen und vertiefen möchten. Es dient als fundierte Brücke von der Sportkletterei zur alpinen Mehrseillängen- und Hochtourenpraxis.

    Fazit: Die Werke von Pit Schubert sind nicht nur Lehrbücher, sondern Grundlagenwerke. Während "Alpine Seiltechnik" das Wie der sicheren Praxis vermittelt, schärft "Sicherheit und Risiko in Fels und Eis" das Warum und das Bewusstsein für die alpinen Gefahren. Beide Werke sind zusammen die Voraussetzung für jeden, der Verantwortung für sich und andere am Berg übernehmen will.

    Warum Lesen im Klettersport unverzichtbar ist

    In einer Zeit, die von kurzen Clips und der ständigen Ablenkung durch soziale Medien dominiert wird, neigen viele dazu, Informationen schnell zu konsumieren und ebenso schnell wieder zu vergessen. 15-sekündige Videoclips und das "Wisch und weg"-Prinzip mögen unterhaltsam sein, doch sie vermitteln nur selten substanzielles Wissen.

    Wer sich im Klettersport wirklich umfassend weiterentwickeln und nachhaltige Fortschritte erzielen möchte, kommt am klassischen Sachbuch nicht vorbei. Echtes Lernen erfordert Zeit: Zeit, um sich in die Materie zu vertiefen, und vor allem Zeit, um das Gelesene zu reflektieren und gezielt auf das eigene Klettern zu übertragen.

    Leider wird in der Kletter-Community das Lesen von Fachliteratur zunehmend vernachlässigt – ein Umstand, den ich für einen groben Fehler halte. Nur das fundierte Verständnis von Technik, Trainingslehre und alpiner Sicherheit erlaubt es, die eigenen Grenzen kompetent und sicher zu verschieben.

    Daher folgt hier eine Auswahl der bekanntesten und wichtigsten Fachbücher, die jeder ambitionierte Kletterer kennen sollte:

    🧗‍♀️ Rezensionen zu den bekanntesten Kletter-Lehrbüchern

    Lizenz zum Klettern

    • Autor: Udo Neumann
    • Fokus: Technik, Koordination, Taktik, mentale Aspekte
    • Rezension: Die "Lizenz zum Klettern" gilt seit ihrem Erscheinen als Meilenstein der Kletterliteratur und als "die Bibel" für ehrgeizige Kletterer. Udo Neumann analysiert die Kletterbewegung und -technik nicht dogmatisch, sondern als eine Kunstform. Das Buch überzeugt durch eine anschauliche Darstellung mittels zahlreicher Grafiken und Bilder, die komplexe Bewegungsabläufe verständlich machen. Es geht über reine Technik hinaus und behandelt umfassend Koordination, Kraft, Ausdauer, Taktik und die mentale Stärke. Es ist ideal für Kletterer, die ihr Können wissenschaftlich fundiert verstehen und verbessern wollen, indem sie ihre technischen Stärken und Schwächen analysieren.

    Vertical Secrets

    • Autoren: Peter Keller & Dr. Andreas Schweizer
    • Fokus: Technik, Training, Sportmedizin (Verletzungsprävention)
    • Rezension: Dieses umfassende Lehrbuch kombiniert fundiertes Wissen aus der Bewegungswissenschaft (Peter Keller) mit spezialisierter Sportmedizin (Dr. Andreas Schweizer, Handchirurg). Das Buch ist bekannt für seine locker-witzige Aufmachung und die Fülle an neuen Tipps und Tricks zur Leistungssteigerung. Der einzigartige Mehrwert liegt in den kletterspezifischen medizinischen Informationen zur Überlastung und Verletzungsprävention, die es in dieser Form zuvor kaum gab. Es bietet konkrete Beispiele und viele Bilder, um das Kletterniveau systematisch anzuheben. Interviews mit Profis wie David Lama geben zusätzliche Einblicke. Es wird oft als der Standard der aktuellen Klettergeneration nach der Lizenz zum Klettern bezeichnet.

    9 von 10 Kletterern machen die gleichen Fehler

    • Autor: Dave MacLeod
    • Fokus: Fehleranalyse, Taktik, Mentalität, ganzheitliches Training
    • Rezension: Dave MacLeod, Profikletterer, Sportwissenschaftler und Trainer, liefert einen erfrischend anderen Kletterratgeber. Er konzentriert sich nicht nur auf die richtige Technik, sondern analysiert vor allem die häufigsten und größten Fehler von Kletterern – von Anfängern bis zu Routiniers. Zu den behandelten Problemen gehören Motivationsmangel, schlechtes Zeitmanagement und die Unfähigkeit zur Eigenanalyse. MacLeod argumentiert, dass oft zu viel Krafttraining betrieben wird, während leistungslimitierende Faktoren wie Sturzangst ignoriert werden. Das Buch ist humorvoll und dynamisch geschrieben und zielt darauf ab, dem Kletterer zu helfen, Einbahnstraßen im Training zu verlassen und souveräne Entscheidungen am Fels zu treffen. Es ist ein absolut empfehlenswertes Werk für ambitionierte Kletterer, die wirklich über sich hinauswachsen wollen.

    Gimme Kraft! Effektives Klettertraining

    • Autoren: Patrick Matros, Dicki Korb, Hannes Huch (Café Kraft Team)
    • Fokus: Krafttraining, Core-Stabilität, Übungskatalog
    • Rezension: Gimme Kraft! ist ein spezialisiertes Trainingsbuch, das sich primär auf den Kraftaufbau und die Körperstabilität konzentriert. Es stammt aus der Feder des erfolgreichen Trainerteams der Kletterhalle Café Kraft. Das Buch bietet einen umfangreichen Katalog von über 70 bebilderten Übungen (oft zweisprachig Deutsch/Englisch), die gezielt Kraft, Stabilität und Rumpfspannung verbessern. Es ist besonders nützlich als Nachschlagewerk für Übungen am Boden, an Ringen oder dem Sling-Trainer, um verletzungsfrei Kraft aufzubauen. Das Design ist modern und die Übungen sind exakt beschrieben. Ein häufig genannter Kritikpunkt ist das Fehlen eines kompletten Trainingsplans, aber als Quelle für intensives, vielseitiges Training ist es unschlagbar.

    Sicherheit und Risiko in Fels und Eis (Band 1, 2, 3)

    • Autor: Pit Schubert
    • Fokus: Alpine Unfall- und Sicherheitsforschung, Ausrüstungsanalyse
    • Rezension: Diese Buchreihe ist ein wahrer Klassiker und das Standardwerk zur alpinen Sicherheit in Fels und Eis. Pit Schubert, langjähriger Leiter der Sicherheitsforschung des DAV, schildert und analysiert anhand reeller Unfälle und Begebenheiten die Ursachen für Fehlverhalten und Materialversagen. Die Lektüre ist fesselnd und vermittelt auf drastische Weise die Ergebnisse aus 25 Jahren Sicherheitsforschung. Es geht um fatale Fehler, die andere mit ihrer Gesundheit oder ihrem Leben bezahlt haben. Das Buch ist unverzichtbar für jeden Bergsteiger und Kletterer, der ein tiefes, fundiertes Verständnis für Risikominimierung und die Grenzen der Ausrüstung entwickeln möchte. Es trägt maßgeblich dazu bei, dass das Klettern heute sicherer ist.

    Klettern – Das Standardwerk

    • Autor: Olaf Perwitzschky (Rother Wissen & Praxis / ehem. BLV Alpin-Lehrplan)
    • Fokus: Grundlagen, Technik, Sicherheit, Ausrüstung (Allround-Lehrbuch)
    • Rezension: Dieses Werk trägt seinen Titel zu Recht: Es ist ein umfassender Praxisratgeber, der alle Kletterdisziplinen abdeckt – von den ersten Schritten in der Halle über den Vorstieg am Fels bis hin zur Mehrseillängen-Tour im alpinen Gelände. Es dient als idealer Begleiter für Kletterkurse und zur Vorbereitung auf den Kletterschein. Die Anleitungen zu Ausrüstung, Kletter- und Sicherungstechniken sind klar strukturiert, anschaulich bebildert und auf dem neuesten Stand (aktuelle Auflagen). Es ist das perfekte Buch für Einsteiger und Fortgeschrittene, die ihr Wissen systematisch aufbauen oder festigen möchten. Es behandelt auch Themen wie Bouldern, Kletterspiele, Klettern mit Kindern und Gefahrenvermeidung.

    Teil I: Sportklettern I – Ausrüstung, Sicherungstechnik, Klettertechnik (Kristof Kontermann, erfahrener Kletterlehrer und Alpinist, teilt in seinen beiden Taschenbüchern (Sportklettern I und Sportklettern II) sein umfassendes Wissen)

    • Zielgruppe: Der typische Klettereinsteiger und Hallenkletterer, der sich an den Fels wagt oder die Grundlagen vertiefen möchte.
    • Fokus & Inhalt: Der Band I vermittelt das breite Basiswissen für den Sportkletter-Einstieg.
      • Ausrüstung: Es wird detailliert erklärt, welche Ausrüstung benötigt wird (Gurte, Seile, Sicherungsgeräte), wobei aktuelle Lehrmeinungen und die neuesten Geräte berücksichtigt werden.
      • Sicherungstechnik: Dieser Teil ist essenziell und behandelt das richtige Sichern (Toprope und Vorstieg), Seilkommandos und die Vermeidung gängiger Fehler. Der Fokus auf Sicherheit und aktuelle Lehrmeinungen ist hier besonders stark.
      • Klettertechnik: Die notwendigen Klettertechniken werden erläutert, oft unterstützt durch klare Fotos und Illustrationen (von Annalena Hunke), was das Verständnis erleichtert.
      • Führungstechnische Maßnahmen und ein Kapitel über behelfsmäßige Bergrettung runden das Basiswissen ab.
    • Stärken: Die Kompaktheit und das handliche Taschenbuchformat machen es zu einem idealen Begleiter für den direkten Einsatz am Fels. Es bietet eine fundierte Wissensbasis und ist dank alphabetischem Index leicht als Nachschlagewerk nutzbar.
    • Fazit: Ein hervorragender, praxisorientierter Leitfaden für den sicheren und kompetenten Übergang von der Halle in den Klettergarten.

    Teil II: Sportklettern II – Klettertaktik, Training, Spezialwissen

    • Zielgruppe: Der ambitionierte Kletterer und Fortgeschrittene, der sein persönliches Niveau gezielt steigern möchte. Es ist als Folgeband zu Sportklettern I konzipiert.
    • Fokus & Inhalt: Band II widmet sich der Leistungssteigerung und dem Spezialwissen über die Grundlagen hinaus.
      • Klettertaktik: Der Autor geht auf strategische Maßnahmen zur Steigerung der Klettereffizienz ein (z.B. Routenlesen, Pausenmanagement).
      • Training: Das Buch erklärt, wie man systematisch trainiert, inklusive der richtigen Aufwärmung, gezieltem Kraft- und Ausdauertraining, sowie der Vermeidung von Trainingsfehlern.
      • Bouldern: Es wird die Rolle des Boulderns im Rahmen des Klettertrainings beleuchtet.
      • Ausgleich & Prävention: Kapitel über Ausgleichstraining und Dehnen helfen, Defizite abzubauen und langfristig verletzungsfrei zu klettern.
      • Spezialwissen: Auch in diesem Band werden Expertentipps und weiterführende Themen wie technisches Klettern und erweiterte behelfsmäßige Bergrettung behandelt.
    • Stärken: Der klare Fokus auf Taktik und Trainingslehre bietet Fortgeschrittenen konkrete Ansatzpunkte zur Verbesserung. Auch hier ist das Buch durch die Erfahrungen des Autors angereichert und in einem handlichen Format gehalten.
    • Fazit: Der zweite Band ist die logische und wertvolle Ergänzung für alle, die nach dem Beherrschen der Grundlagen den nächsten Schritt in ihrer Kletterentwicklung gehen möchten.


    📚 Rezension: Peak Performance – Klettertraining von A–Z

    • Autor: Dr. Guido Köstermeyer (ehemaliger Bundestrainer)
    • Untertitel: Klettertechnik und Klettertraining von A–Z / Die Trainingsbibel
    • Fokus: Umfassende und wissenschaftlich fundierte Trainingslehre, Periodisierung, Konditionsbereiche, Mentaltraining.

    Überblick und Bedeutung

    "Peak Performance" von Dr. Guido Köstermeyer gilt als das deutschsprachige Standardwerk schlechthin für das systematische Klettertraining und wird nicht umsonst als "Trainingsbibel" bezeichnet. Köstermeyer, selbst ein Pionier des schweren Sportkletterns (erste Wiederholung der Wallstreet 1989) und ehemaliger Bundestrainer, liefert eine unglaublich breite Palette an Trainingsaspekten mit hoher Informationsdichte. Das Buch richtet sich an ambitionierte Kletterer und Trainer, die ihre Leistung auf ein neues Niveau heben wollen.

    Inhaltliche Tiefe

    Das Werk umfasst alle relevanten Bereiche des Konditionstrainings, was es zu einem All-in-One-Ratgeber macht:

    • Kraft- und Kraftausdauertraining: Detaillierte Beschreibung praxisnaher und kletterspezifischer Übungen.
    • Ausgleichstraining: Wichtige Aspekte der Prävention und des antagonistischen Trainings.
    • Beweglichkeit und Regeneration: Maßnahmen zur Optimierung der Erholung und zur Vermeidung von Überlastung.
    • Mentaltraining: Techniken und Ansätze zur Verbesserung der psychischen Stärke und Sturzangstbewältigung.
    • Periodisierung: Köstermeyer ist bekannt dafür, die traditionelle Block-Periodisierung auf das Klettern übertragen und die nichtlineare Periodisierung etabliert zu haben – ein zentraler Punkt des Buches für die langfristige Trainingsplanung.

    Methodik und Didaktik

    Der große Mehrwert des Buches liegt in der Verbindung von theoretischem Grundwissen mit der direkten Umsetzung in die Handlungsebene. Es enthält zahlreiche vorgefertigte Trainingseinheiten und Übungsbeispiele, die dem Kletterer ermöglichen, sofort mit einem strukturierten Training zu beginnen. Das Buch wurde über die Jahre stets an die neuesten sportwissenschaftlichen Erkenntnisse und Trainings-Trends angepasst (es liegt in aktualisierten Auflagen vor), was seine Relevanz sichert.

    Fazit

    "Peak Performance" ist unerlässlich für jeden ambitionierten Sportkletterer und Trainer, der systematisch, wissenschaftlich fundiert und mit Blick auf die Gesamtentwicklung trainieren möchte. Es ist kein leichtes Lesebuch, sondern ein umfassendes Handbuch, das regelmäßiges Studium und die Bereitschaft zur strukturierten Trainingsplanung erfordert. Wer sich intensiv mit Trainingslehre auseinandersetzen möchte, findet hier das ultimative Standardwerk.



    Diese Liste ist nicht vollständig, wer auf andere Bücher schwört, darf gerne ergänzen. :greis:

    Wo anfangen ?

    Da es elementar ist, sein Gewicht effizient auf die Beine zu bekommen, und wir jede Bewegung, jede Position auch mit Beinarbeit ausführen, stellen wir gute Kletterrei im wahrsten Wortsinn auf die Füße und lernen sauber anzutreten.
    Stimmt diese Basis und wir treten unbewusst sauber an, arbeiten wir am nächsten Ziel, step by step.

    Hier ein Artikel Auszug von (c) Ulligunde zum Thema:

    Quote

    Stehe präzise

    Gerade auf Platten ist das präzise Stehen wichtig.
    Woran man Anfänger von Könnern unterscheidet? An ihrer Art, die Füße zu platzieren. Bei Profis ist das genau eine Bewegung und der Fuß steht exakt dort, wo er am besten ist. Und zwar völlig lautlos. Das gelingt nur, wenn man auf den Fuß schaut – und zwar auch während man ihn platziert. Anfänger hingegen treten eher blind und unkontrolliert – sie schrappen an der Wand entlang, bis vielleicht irgendwo irgendetwas kommt. Gewöhne Dir das so schnell wie möglich ab! Schaue nach Tritten und platziere dann präzise und ganz leise Deinen Fuß. Am besten mit dem Fußballen oder den Zehen – nicht „volle Breitseite“ mit dem ganzen Fuß. Das macht dich in den nächsten Bewegungen unflexibel.

    Lerne Bewegungen

    Probiere verschiedene Bewegungen aus – ggf. auch an einer senkrechten Boulderwand. Setze die Füße einmal frontal, einmal auf der Innenkante, einmal auf der Außenkante. Wie fühlt sich das an? Welche Hand kannst du dadurch leichter lösen? Wenn Du nun weit nach links oder rechts oben ziehst, welche Kombination aus Tritt- und Griffrichtung fühlen sich gut an? Es gibt unendlich viel Literatur zu den verschiedenen Bewegungen, wobei die natürlich ziemlich trocken ist. Schaue doch lieber mal in der Halle bei den „guten“ Kletterern, wie sie sich bewegen. Suche Dir diejenigen Kletterer raus, die ruhig und kontrolliert klettern. Bei ihnen ist die ganze Tour eine einzige Bewegung, fast wie ein geschmeidiger Tanz, es ist nichts abgehackt, unkontrolliert oder hektisch. Sie drehen ein, drehen gar einmal das Knie ganz nach unten, hocken mit dem einen Fuß weit oben auf und schieben sich darüber. Was machen sie mit der Hüfte? Wie stehen sie? Wie schütteln sie? Beobachte andere Kletterer und probiere diese Art zu imitieren.

    🤯 Warum sich neue Klettertechnik anfühlt, als würden Sie von vorne beginnen (und das ist gut so!)

    🚀 Der Trugschluss nach dem Technik-Input

    Sie hatten ein erfolgreiches Training, einen Coaching-Tag oder haben ein komplexes Technik-Video studiert.

    Sie wissen jetzt, wie die optimale Bewegung aussieht: die Hüfte eindrehen, Füße präzise setzen, das Körpergewicht über die Beine steuern.

    Der Kopf hat es verstanden – der "Aha!"-Moment war da.

    Voller Motivation gehen Sie an die Wand, um das Gelernte umzusetzen. Das Ergebnis?

    Unkoordiniertheit. Frustration. Plötzlich fühlen sich Routen, die gestern noch leicht waren, schwer und fremd an. Die neuen Bewegungen sind hakelig, kraftraubend und der alte, ineffiziente „Gewohnheits-Modus“ sabotiert jeden Versuch.

    Herzlichen Glückwunsch! Sie sind im Jammertal der Verbesserung angekommen.

    🧠 Der Saboteur sitzt im Gehirn: Der Motorische Kortex

    Dieses frustrierende Phänomen ist kein Zeichen von mangelndem Talent, sondern ein naturwissenschaftlicher Prozess im Gehirn.

    Die "Autobahn" der Gewohnheit

    Jahrelang haben Sie sich auf eine bestimmte Weise bewegt (z.B. die Füße nur als Stütze benutzt und sich hauptsächlich mit den Armen hochgezogen – "Arm-Ziehen statt Fuß-Schieben"). Ihr Gehirn hat für diese ineffiziente, kraftraubende Bewegung eine motorische Autobahn gebaut: eine schnelle, hocheffiziente neuronale Verbindung, die bei der kleinsten Absicht, sich zu bewegen, automatisch feuert. Diese Bewegung ist automatisiert und erfordert kaum kognitive Energie.

    Der Kampf um die neue Synapse

    Wenn Sie nun versuchen, eine neue, optimierte Bewegung auszuführen, müssen Sie das Gehirn zwingen, diese Autobahn zu verlassen und einen neuen, ungepflasterten Waldweg zu nehmen.

    1. Kognitiver Overload: Die neue Bewegung erfordert anfangs maximale, bewusste Kontrolle. Sie müssen gleichzeitig an Fußposition, Körperschwerpunkt, Hüftdrehung und Atmung denken. ( Weswegen man in bewusstem Training nur einen Aspekt zur Zeit trainieren sollte !!!! )
    2. Motorische Interferenz: Das ist der kritische Punkt. Das Gehirn erkennt die Klettersituation und will – aus Effizienzgründen – sofort auf die alte, bewährte Autobahn umschalten. Die alte Routine sabotiert die neue.
    3. Die "Flüssigkeitslücke": Da die neue Bewegung nicht automatisiert ist, fehlt ihr die natürliche Flüssigkeit und Koordination. Sie wirkt langsam und kraftraubend, was die Frustration zusätzlich steigert.

    Merken Sie sich: Das Gefühl von Unbeholfenheit ist der Beweis, dass Sie Ihre alten, falschen Muster gerade aktiv überschreiben.

    🏞️ Wie Sie das Jammertal durchqueren: Die Arbeit beginnt jetzt

    Der Schlüssel liegt in der kontinuierlichen, bewussten Wiederholung.

    I. Bewusstes ÜbenPräzision vor Geschwindigkeit.Suchen Sie sich leichte Routen/Boulder, bei denen die neue Bewegung zwingend notwendig ist. Klettern Sie nur 2-3 Routen lang, aber führen Sie die neue Technik überbewusst aus. Hören Sie auf, bevor Sie ermüden.
    II. KonsolidierungRegelmäßigkeit der Wiederholung.Klettern Sie, wenn möglich, häufiger (z.B. zwei kürzere Sessions pro Woche). Bouldern ist ideal, da Sie dort in kurzer Zeit mehr qualifizierte Wiederholungen der Bewegung sammeln.
    III. LoslassenAutomatisierung der Bewegung.Wenn Sie eine Bewegung einigermaßen beherrschen, denken Sie nicht mehr bewusst darüber nach. Versuchen Sie, die Bewegung fließen zu lassen. Das Gehirn hat die neue "Autobahn" gebaut.

    💡 Ein persönlicher Kommentar des Experten

    Die ehrliche Wahrheit ist: Viele Kletterer wählen den Weg des geringsten Widerstands. Sie sehen überall Kletterer, die leider nie bewusst und intensiv gute Techniken trainiert haben. Deswegen hängen diese Menschen, je nach Alter und physischen Voraussetzungen, Jahre oder Jahrzehnte an ein und demselben Grad fest. Da das einfache Immer-wieder-Klettern oder zusätzliches reines Krafttraining der schnellere und einfachere Weg ist, ändern sie auch nie etwas an ihrem Bewegungsrepertoire.

    Wer sich für ein Coaching entscheidet, bekommt klar gezeigt, woran er arbeiten muss. Die Arbeit an sich muss er aber selbst durchführen.

    Und diese Arbeit kann sehr frustrierend sein, insbesondere ganz am Anfang, da sich der erhoffte Erfolg nur sehr allmählich und nicht linear einstellt. Machen Sie sich bereit: Zunächst klettern Sie schlechter als zuvor!

    Das ist der Preis des Fortschritts. Der Mut, diesen Tiefpunkt zu akzeptieren und ihn durch konsequentes Techniktraining zu überwinden, ist das, was einen Spaßkletterer vom trainierenden Kletterer unterscheidet.

    PS: Warum eigentlich h773.de als Domainname?

    Die Wahl fiel auf diesen Namen, weil wir eine kurze, einfache URL haben wollten. Die Kombination leitet sich aus unserem Nachnamen, der mit H beginnt, und unseren Geburtsjahren ab: Ich bin Jahrgang '73 und meine Frau Jahrgang '77. Das ergab die logische Kombination h773.

    Unter verschiedenen Subdomains (dem Teil vor dem h773.de) sind unsere verschiedenen Seiten definiert:

    • forum.h773.de (Hier befindet sich dieses Forum.)
    • ac.h773.de (Der Ape Climbing Blog, den ich zwar einmal angefangen hatte, aber nicht wirklich oft genutzt habe.)
    • climb.h773.de (Die URL des alten Forums. Die Inhalte sind aktuell unsichtbar, aber hier enthalten. Der Plan ist, sie nach und nach redaktionell zu überarbeiten und wieder öffentlich zu schalten.)
    • bauer.zorro.h773.de (Eine Seite, die ich 2020 erstellt habe, um das Bauer.Zorro vorzustellen.)
    • ... und weitere, die hier nicht von Belang sind.

    Die meisten der oben genannten Websites haben übrigens kein SSL-Zertifikat, da mir die Kosten dafür schlicht zu hoch sind.

    Also, nach monatelanger Ungewissheit, habe ich am WE erfahren, dass der Mailversand nicht wirklich funktioniert.


    ( In der Forenkonfiguration gibt es eine Testfunktion, die hat funktioniert, auch das manuelle versenden von Emails hat funktioniert, aber automatische E-Mails sind aus unerklärlichen Gründen im digitalen Nirvana verschollen. )

    Nach einiger Recherche lag es an dem Emailhoster, ich habe einen anderen Mailanbieter konfiguriert und nun endlich funktionieren auch die automatischen E-Mails des Forensystems. Heureka.

    Durch diverse andere Baustellen ( aka Privatleben ) kam ich was Arbeit an diesem Forum angeht, auch nicht wirklich viel weiter.

    Vieles ist noch nicht final, Anregungen sind willkomen !

    In diesem Artikel hatte sich ein Fehler eingeschlichen.

    Ich habe fälschlicherweise den Einbinde-Achter ( korrekt: gesteckte Achterschlaufe ) als "doppelten Achterknoten" bezeichnet, was zwar ugsp. häufig getan wird, aber deswegen nicht richtiger wird.

    Der Artikel oben wurde dahingehend korrigiert.

    Anmerkung:

    Wenn man einen Bulin, in sich zurückfädelt, wird daraus der doppelte Bulin.

    Es wäre daher logisch anzunehmen, dass wenn man den Achterknoten in sich selbst zurückfädelt, dass man dieses System weiterführt und eben auch von
    "doppelt" spräche, aber es hat sich hier nicht logisch entwickelt, was auch mich aufs Glatteis geführt hat.

    Der "doppelte Achterknoten" wäre der aus dem englischen bekannten "Bunny ear knot",

    also deutsch "Hasenohrenknoten", aber das ist dann der echte doppelte Achterknoten.