Wie ich zum friend Nerd wurde

  • Text vom 10.1.2020

    Im Kalk verwendet man klassisch ja gerne eher Keile oder Tricams, was eventuell auch daran liegt, dass es dort wenig parallele Risse gibt, in denen dann wirklich nur Friends, Tricams, Gipsys oder Bigbros funktionieren. Und wenn man dann doch einmal einen „schönen“, glatten Riss entdeckt, wollen Friends oft nur unwillig halten.

    Mehr durch Zufall ist mir beim Antesten neuer Friends aufgefallen, dass die fabrikneuen einfach extrem schlecht zupacken (an einer für Kalk ungewöhnlich glatten, parallelen und für Friends eigentlich prädestinierten Risslinie). Im ersten Moment war ich von den Friends (BD C4) echt enttäuscht und habe an mir selbst gezweifelt, ob ich nach der Winterpause plötzlich zu doof geworden wäre, einen Friend zu legen.

    Dann habe ich zum Vergleich einen alten an dieselbe Stelle gelegt, und das fühlte sich sofort ganz anders an. Schon beim Platzieren bissen sie sich merklich fest, und den ordentlichen Ruck zum Antesten nahm der alte klaglos hin. Erst zu Hause fiel mir dann der entscheidende Unterschied auf: Die neuen C4 waren noch komplett mit Eloxierung (der farbigen Schicht auf den Segmenten) überzogen. Eine Eloxierung hat natürlich eine viel höhere Härte als das Alu darunter; bei Karabinern soll sie ja das weiche Alu vor Abrieb schützen.

    Bei Friends macht das an den Kontaktstellen zum Fels aber so gar keinen Sinn. Dort vermindert sie, je nach Textur der Felsoberfläche, unter Umständen massiv die Reibung. An vielen Placements macht das absolut keinen Unterschied, aber nach meiner Erfahrung definitiv in jenen – ich bin kein Geologe, denke aber, das sind Spannungsrisse. Zumindest kann ich mir anders die sehr glatten Bruchflächen nicht erklären. Auch sind diese noch unverwitterten Rissoberflächen natürlich die Ausnahme; Wassereinfluss raut die Kalkoberfläche ja im Laufe der Zeit bis auf Sandpapier-Niveau auf.

    Im nachfolgenden Link (engl.) wird über den Effekt von Eloxierung und die angeblich patentierte Methode von DMM/Wild Country, diese zu entfernen, diskutiert. Ich für meinen Teil bin bei neuen Friends dazu übergegangen, vorhandene Eloxierung an den Kontaktflächen mit Schlüsselfeilen und Sandpapier vor der Benutzung runterzuschleifen.

    Ja, das ist nerdig. Andere putzen lieber ihre Autos – da wundere ich mich auch immer.

    https://www.mountainproject.co…em_qA5hY7xe_6C90wHzXzz1zQ

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  • Antwort auf eine Frage zu Keilen ( 2020 )



    Ja, an den Grenzen der Physik sind Kleinigkeiten oft der entscheidende Punkt. Ich würde nicht eine Firma über eine andere stellen wollen; es gibt Placements, da funktioniert Material A besser als Material B, aber sehr oft kann man auch Material B absolut solide zur Anwendung bringen.

    Offset-Keile habe ich mir auch erst neulich endlich einmal zugelegt und muss diese erst noch testen. Da ist ganz klar, dass am klassischen Riss der Standardkeil unter Umständen viel besser liegt als ein Offset. Dagegen müsste der Offset in sich verjüngenden Rissen (Flares) klar im Vorteil sein.

    Ich habe einmal Keile verschenkt, und zwar die meiner Erfahrung nach besten (DMM), obwohl ich sie selbst gar nicht benutze. Ich habe z. B. meistens zwei Sätze Rock Empire Granite und Hexentrics von BD im Einsatz. Sicher wären die von Wild Country besser, aber ich benutze die Dinger so selten, dass ich keine Lust habe, dort auch noch alle paar Jahre die Dyneema-Schlingen an den WC-Hexen zu wechseln.

    Ich bin immer etwas abseits der Mainstream-Marken unterwegs, weil ich wissen will, was andere oder kleine Hersteller so können, und weil es auch arg einfach ist zu sagen: „Kauf (beliebiges Markenprodukt)“. Die BD C4 sind „Made in China“ – sonst motzen doch auch alle über Chinaware, aber sobald eine Marke ihr Logo draufpappt, ist es plötzlich okay. Etwas strange, wie ich finde.

    Dass Totems super Friends sind, muss ich nicht auch noch als Zweitausendster erzählen; ich schaue eher auf die Marken, die keiner oder nur wenige kennen. Und ich habe da noch selten echten Schrott erlebt. Ein absoluter Fail war bisher nur das Salewa Base 9,8 Seil – einfach grausig, nach zehn Nutzungen habe ich es verkauft.

    P.S.: Gerade bei Keilen sind die Unterschiede von Marke zu Marke so gering. Ich bin schon immer froh, wenn man die Leute dazu bringen kann, überhaupt zwischenzusichern. Erst letztes Jahr hat sich hier wieder jemand schwer verletzt, weil er weder mit dem Clipstick vorgeclippt noch mobil etwas gelegt hat und vor dem ersten Haken abgeschmiert ist. Der billigste Keil hätte das, richtig benutzt, vermutlich verhindern können. Ein Clipstick sowieso, aber das ist ja scheinbar eh verpönt. Wenn ich den ab und an zum Fels mitgenommen habe (da das für Anfänger einfach besser ist), erntete ich immer doofe Blicke. Einmal meinte ein Mädel: „Ein Selfiestick, wie peinlich!“ – sie konnte nicht einmal einen Clipstick als solchen erkennen, was noch peinlicher ist.

    Aber wie ich neulich schon geschrieben habe: Es klettern viele leichtfertig in klassischen Linien herum und meinen zum Thema Sicherheit noch mit stolzgeschwellter Brust: „Wer das nicht sicher klettern kann, hat in der Linie nichts verloren.“ Großkotzigkeit ist ebenfalls eine weit unterschätzte Gefahr beim Klettern.

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