Abseilpiste: Der Weg nach unten
Im Klettersport bezeichnet eine Abseilpiste eine festgelegte Route oder Linie in einer Felswand, die speziell dafür eingerichtet ist, von oben nach unten abzuseilen. Man könnte sie als den "Abstiegsweg" für Kletterer bezeichnen, der nicht im Klettern der Route selbst besteht, sondern im kontrollierten Verlassen der Wand per Seil.
Was eine Abseilpiste ausmacht
Eine Abseilpiste ist in der Regel mit mehreren Abseilständen (oder Umlenkern) ausgestattet, die in regelmäßigen Abständen über die Wand verteilt sind. Diese Stände sind solide Fixpunkte im Fels – meist Bohrhaken, Ketten oder Ringe – die für das Abseilen eingerichtet wurden.
Die Merkmale einer guten Abseilpiste sollten sein:
- Direkter Verlauf: Sie führt oft auf dem direktesten oder sichersten Weg zum Wandfuß oder zu einem nächsten Band.
- Klare Linienführung: Die Stände sind so platziert, dass das Seil beim Abziehen möglichst nicht verhakt. Idealerweise verläuft die Piste sturzfrei im Freihang oder über Platten, um Verhakungen in Rissen oder hinter Blöcken zu vermeiden.
- Sichere Stände: Alle Abseilstände sollten solide, redundante und gut gewartete Fixpunkte sein. Insbesondere in älteren alpinen Routen ist es jedoch entscheidend, jeden Stand kritisch zu prüfen, da die Wartung nicht immer gewährleistet ist und die Verhältnisse variieren können. Im Zweifelsfall solltest du einen Stand immer mit eigenen mobilen Sicherungsmitteln verstärken oder einen neuen, sicheren Stand bauen.
Wann und wofür nutzt man Abseilpisten?
Abseilpisten werden in verschiedenen Kletterszenarien genutzt:
- Nach dem Klettern einer Mehrseillängenroute: Wenn der Gipfel erreicht ist oder die Route zu Ende ist und kein Wanderweg zum Abstieg vorhanden ist, wird oft über eine Abseilpiste wieder zum Einstiegspunkt zurückgekehrt.
- Bei Abbruch einer Route: Sollte man eine Route nicht zu Ende klettern können (Wetterumschwung, Zeitnot, Schwierigkeit), kann man über die Abseilpiste sicher absteigen.
- Zu Übungszwecken: In Klettergärten gibt es oft spezielle Abseilpisten, um das Abseilen zu üben.
Was man bei Abseilpisten beachten sollte
- Kenntnis des Verlaufs: Bevor man eine Abseilpiste nutzt, sollte man den genauen Verlauf und die Position der einzelnen Abseilstände kennen. Topos (Kletterführer-Skizzen) sind hier unerlässlich.
- Seillänge: Die Länge der einzelnen Abseilstrecken muss zur eigenen Seillänge passen. Häufig sind Abseilpisten auf 60-Meter-Einfachseile ausgelegt, was bedeutet, dass eine Abseilstrecke maximal 30 Meter lang ist, wenn man das Seil doppelt nimmt. Beim Einsatz von zwei Halbseilen (z.B. 50m oder 60m Halbseile), kann man die volle Länge von 50m oder 60m am Stück abseilen, da die Seile dann miteinander verbunden werden. Bei längeren Strecken als die eigene Seilausstattung erlaubt, muss man Zwischenstände nutzen.
- Sicherer Umgang: Alle Regeln des sicheren Abseilens (Partnercheck, Prusik, korrektes Seileinlegen, Seilenden verknoten) gelten hier in vollem Umfang.
- Achtung vor Ermüdung und falscher Sicherheit: Leider ereignen sich viele Unfälle beim Abseilen. Besonders am Ende eines langen Klettertages ist die Konzentration oft vermindert und die körperliche Erschöpfung kann zu Flüchtigkeitsfehlern führen. Zudem wird im alpinen Gelände manchmal bewusst auf essenzielle Sicherheitsmaßnahmen wie Seilendknoten und/oder die Prusikhintersicherung verzichtet, was eine falsche Sicherheit vortäuscht und fatale Folgen haben kann. Bleibe daher stets hochkonzentriert und halte dich ausnahmslos an alle Sicherheitsregeln.
Kurz gesagt: Die Abseilpiste ist der sicher eingerichtete Weg nach unten, wenn der Aufstieg beendet ist oder abgebrochen werden muss. Ihre Qualität kann jedoch stark variieren und erfordert stets kritische Prüfung.